Antworten auf häufige Fragen zum Leben mit Schlaganfall

Ein Schlaganfall bedeutet meist einen großen Einschnitt ins bisherige Leben der Betroffenen und ihres Umfelds. Viele fragen sich, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Zudem herrscht oft Verunsicherung, weil Betroffene nicht wissen, was nun auf sie zukommt und wie sie es zurück in den Alltag schaffen können. Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen.

Antworten auf häufige Fragen zum Leben mit Schlaganfall

Jeder Schlaganfall verläuft anders und kann sich unterschiedlich auswirken. Nach der Akutbehandlung im Krankenhaus wird abgeklärt, welche Einschränkungen der Schlaganfall bei Ihnen zur Folge hatte. Das übergeordnete Behandlungsziel ist es immer, dass Sie Ihren Alltag wieder so gut wie möglich selbstständig bewältigen können. Dabei helfen Ihnen neben Ärzten und Pflegepersonal hauptsächlich Physiotherapeuten („Krankengymnastik“), Ergotherapeuten und Logopäden (Sprach- und Schlucktherapie). Für jeden Patienten wird ein eigener Therapieplan erstellt, der regelmäßig angepasst wird.

Wie komme ich zu Hause zurecht?

Es ist nicht immer möglich, nach der Akutbehandlung direkt in ein Rehazentrum zur stationären Therapie überwiesen zu werden. Geht es zunächst nach Hause, sollten Sie rechtzeitig Ihren Hausarzt informieren. Dieser kann Ihnen die benötigten Medikamente verschreiben, Therapierezepte ausstellen oder Sie bei Bedarf an Spezialisten überweisen. Sollten Sie nach dem Schlaganfall drei oder mehr rezeptpflichtige Medikamente über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen verordnet bekommen haben, dann haben Sie Anspruch auf einen Medikationsplan, der die Organisation erleichtert. Ihre Therapeuten können Sie auch dahingehend beraten, welche Hilfsmittel oder Umbauten notwendig sind, damit Sie sich zu Hause sicher bewegen können. Grundsätzlich muss jedes Hilfsmittel von einem Arzt verordnet werden. Mit der Verordnung können Sie sich dann an ein Sanitätshaus wenden. Als Kostenträger für Therapien und Hilfsmittel können Ihr Rentenversicherungsträger, Ihre Krankenkasse, die Bundesagentur für Arbeit oder das Sozialamt zuständig sein. Dort sowie bei verschiedenen Vereinen und der Pflegekasse können Sie sich auch über das Thema barrierefreie Wohnungsanpassungen und finanzielle Zuschüsse informieren.

Wen kann ich um Hilfe bitten?

Bei größeren körperlichen Einschränkungen bietet sich ein ambulanter Pflegedienst an, der regelmäßig bei Ihnen vorbeikommt und Ihnen bei den Aufgaben hilft, die Sie (noch) nicht alleine durchführen können. Für die fortlaufenden Therapien können Sie ambulante Therapiezentren oder Praxen in Ihrer Nähe aufsuchen – manche Therapeuten machen aber auch Hausbesuche. Häufig werden Betroffene nach einem Schlaganfall auch von ihren Angehörigen betreut. Sollten Sie jemanden haben, der Sie unterstützen kann, ist es oft sinnvoll, wenn die Person sich von den Experten einzelne Vorgänge oder den Umgang mit den Hilfsmitteln erklären lässt. Es gibt außerdem zahlreiche Unterstützungsangebote für hilfe- und pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige. Sogenannte Pflegestützpunkte beraten als örtliche Auskunfts- und Beratungsstelle rund um das Thema Pflege. Auch die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes im Krankenhaus können Ihnen weiterhelfen oder Sie suchen online nach passenden Beratungsangeboten.

Ich fühle mich anders… ist das normal?

Ein Schlaganfall kann auch Ihre Gefühle beeinflussen und beispielsweise zu Stimmungsschwankungen oder Persönlichkeitsveränderungen führen. Den meisten Menschen fällt es schwer zu akzeptieren, dass sie plötzlich Hilfe bei alltäglichen Tätigkeiten brauchen, die sie (noch) nicht (wieder) alleine durchführen können. Die häufig auftretende chronische Erschöpfung („Fatigue“) kann es umso schwieriger machen, wieder aktiv am Leben teilzunehmen. All das kann Ihre Stimmung und Ihr Selbstwertgefühl negativ beeinflussen. Einige Betroffene entwickeln sogar eine Depression.1 Diese lässt sich jedoch medikamentös und mittels Psychotherapie behandeln.

Die Therapie neurologischer Einschränkungen erfordert viel Geduld und genügend Motivation, um auch außerhalb der Behandlungen weiter zu üben. Jeder Patient macht unterschiedlich schnelle Fortschritte – lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn Dinge nicht sofort (und auch nicht beim dritten oder zehnten Versuch) klappen.

Wenn Helfer Hilfe brauchen

Ein Schlaganfall ist meistens auch für das Umfeld der Betroffenen sehr belastend, da diese oft gleichzeitig pflegerische Unterstützung leisten und sich um den „Papierkram“ für Therapiemaßnahmen und Erstattungen kümmern. Egal, ob Sie selbst betroffen sind oder eine Person, die Ihnen nahesteht: Scheuen Sie sich nicht, um Hilfe zu bitten! Sowohl für Schlaganfall-Betroffene als auch für deren Umfeld gibt es deutschlandweit Selbsthilfegruppen. Sie finden diese auf der Seite der Schlaganfall-Hilfe.

Was ist mit meiner Arbeit?

Wie bei anderen Erkrankungen müssen Sie Ihren Arbeitgeber zeitnah über Ihre Arbeitsunfähigkeit informieren. Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmer Anspruch auf eine sogenannte Entgeltfortzahlung von bis zu sechs Wochen.
Ob Sie in Ihren alten Job zurückkehren können, hängt stark von Ihren Einschränkungen ab. Die Agentur für Arbeit berät Sie dahingehend, ob oder wie Sie Ihren bisherigen Beruf weiter ausführen können und wie eine stufenweise Wiedereingliederung (z.B. über Teilzeitarbeit) erfolgen kann. Außerdem erfahren Sie dort, welche Alternativen es für Sie gibt, falls Sie nicht in Ihren alten Beruf zurückkehren können.
Für den Fall, dass Ihnen keine Erwerbstätigkeit mehr möglich sein sollte und Sie noch nicht das reguläre Renteneintrittsalter erreicht haben, kommt eine Erwerbsminderungsrente in Frage. Sollten Sie zwar weiterhin arbeiten können, aber keine Vollzeitstelle mehr übernehmen können, kommt eventuell auch eine Teilerwerbsminderungsrente in Frage. Inwiefern das auf Sie zutrifft, können Sie bei der Deutschen Rentenversicherung erfragen.

Wann darf ich wieder Autofahren?

Das Thema Autofahren ist sehr komplex. Kurz gesagt sind Sie jedoch selbst dafür verantwortlich, Ihre Fahrtüchtigkeit sicherzustellen. Andernfalls kann bei einem Unfall Ihr Versicherungsschutz erlöschen und Sie müssen womöglich mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe rechnen. Ihre Fahrtüchtigkeit können Sie sich unter anderem von spezialisierten Neurologen bescheinigen lassen; sicherer ist es aber, wenn Sie Ihre Erkrankung, sobald Sie sich wieder fit genug fürs Autofahren fühlen, bei der Führerscheinstelle melden. Dort wird dann festgelegt, welche Gutachten Sie innerhalb einer bestimmten Frist einreichen müssen. Sind Umbauten an Ihrem Auto notwendig, muss das ohnehin in Ihrem Führerschein vermerkt sein.

Wie kann ich einen erneuten Schlaganfall vermeiden?

Neben der Rückkehr in den Alltag sollte eines Ihrer Hauptziele sein, Ihr Risiko für einen erneuten Schlaganfall so weit wie möglich zu senken. Das tun Sie, indem Sie regelmäßig beim Arzt Ihren Blutdruck- und Ihre Cholesterinwerte kontrollieren lassen und über weiterhin bestehende Herzprobleme wie beispielsweise Vorhofflimmern sprechen. Außerdem sollte regelmäßig die Dosierung Ihrer Medikamente überprüft werden. Ebenso wichtig ist es, dass Sie auf einen gesunden Lebenswandel achten. Dazu zählen: nicht rauchen, sich gesund ernähren und sich ausreichend bewegen. So vermeiden Sie auch gleichzeitig Übergewicht, das ebenfalls einer der Risikofaktoren für Schlaganfälle ist.

 

Autorin: Tanja Peschel, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: September 2019

Quellen:

1. Das J., Rajanikant G.K. Post stroke depression: The sequelae of cerebral stroke. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 90, July 2018, Pages 104-114.
doi.org/10.1016/j.neubiorev.2018.04.005

Bundesministerium für Gesundheit:
www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege.html

Deutsche Schlaganfall-Hilfe:
www.schlaganfall-hilfe.de

Deutsche Rentenversicherung:
www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE

Gesundheitsinformation.de:
www.gesundheitsinformation.de/schlaganfall.2078.de.html

Alle Seiten am 20.09.2019 zuletzt abgerufen.

9-GE-5-10414-02 10-2019