Prävention: Wie kann ich mich vor einem Schlaganfall schützen?

In Deutschland hatten im Jahr 2016 etwa 240.000 Menschen einen Schlaganfall.1 Das Risiko eines Schlaganfalls ist teilweise genetisch bedingt und steigt mit zunehmendem Alter. Trotzdem gibt es viele Faktoren, die Sie selbst beeinflussen können. Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Risiko senken können.

Prävention: Wie kann ich mich vor einem Schlaganfall schützen?

Was ist ein Schlaganfall?

Als Schlaganfall bezeichnet man eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns. Ein Schlaganfall ist deshalb so gefährlich, da die Hirnzellen ohne den Sauerstoff und die essenziellen Nährstoffe aus dem Blut nicht arbeiten können und bereits innerhalb weniger Minuten absterben.

Die Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind vielfältig

Eine der Ursachen für einen Schlaganfall sind geschädigte Blutgefäße. Als Hauptrisikofaktor gilt dabei Bluthochdruck (Hypertonie), der zu einer allmählichen Verengung, Verhärtung und „Verkalkung“ der Blutgefäße führt: der Arteriosklerose. Diese erhöht das Risiko, dass sich ein Gefäß mit der Zeit vollständig verschließt oder durch ein Blutgerinnsel verstopft wird. Weitere Faktoren fördern die Arteriosklerose ebenfalls, darunter ein zu hoher Cholesterinspiegel sowie ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerwert, der oft bei unbehandeltem oder nicht ausreichend behandeltem Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) auftritt. Bestimmte Herzkrankheiten wie Vorhofflimmern erhöhen das Risiko eines Schlaganfalls, da hier das Blut im Herzen nicht immer kontinuierlich in Bewegung bleibt und eher Blutgerinnsel (Thromben) entstehen, die die Arterien verstopfen können. Da diese Risikofaktoren häufig bereits medikamentös therapiert werden, ist es wichtig, dass Sie die von Ihrem Arzt vorgegebene Therapie konsequent umsetzen, damit Ihre Werte im gesunden Bereich liegen.
Auch Rauchen erhöht das Risiko eines Schlaganfalls. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Rauchen fördert Arteriosklerose, die wie bereits erwähnt einer der Hauptrisikofaktoren für Schlaganfälle ist. Gleichzeitig verengt Nikotin die Blutgefäße, was die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und anderen lebenswichtigen Stoffen einschränkt. Zusätzlich verringert das beim Rauchen aufgenommene Kohlenstoffmonoxid die Menge des Sauerstoffs, die von den roten Blutkörperchen transportiert werden kann. Um diesen Sauerstoffmangel auszugleichen, produziert der Körper mehr rote Blutkörperchen und dadurch wird das Blut dickflüssiger und fließt weniger gut durch die (verengten) Blutgefäße. Außerdem gerinnt das Blut von Rauchern leichter als das von Nichtrauchern, weshalb die Gefahr steigt, dass sich Blutgerinnsel bilden.

Woran erkenne ich einen Schlaganfall?

Falls Sie den Verdacht haben, dass jemand einen Schlaganfall hatte, können Sie einen einfachen Test durchführen. Bitten Sie die Person, nacheinander zu lächeln, beide Arme gleichmäßig anzuheben und einen einfachen Satz zu sprechen. Gelingt das nicht, deutet dies stark auf einen Schlaganfall hin. Rufen Sie in diesem Fall unbedingt so schnell wie möglich den Rettungsdienst unter der Rufnummer 112!

Mit diesen Tipps können Sie Ihr Risiko für einen Schlaganfall verringern

Nachfolgend finden Sie einige Ratschläge, die Sie leicht selbst umsetzen können, um so Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko auf Dauer zu senken.

Werden Sie Nichtraucher

Sind Sie Nichtraucher, dann bleiben Sie auf jeden Fall dabei. Falls Sie rauchen, sollte es Ihr erster Schritt sein, damit aufzuhören, um Ihre Gesundheit zu erhalten. Natürlich erfordert das einiges an Willenskraft, aber Ihre Gesundheit ist es wert. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von Ihrem Arzt beraten, welche Möglichkeiten es gibt, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Setzen Sie auf eine ausgewogene Ernährung

Ihre Ernährung beeinflusst auch Ihr Blutbild und Ihre Blutwerte. Sollten Sie Übergewicht haben, ist es ebenfalls sinnvoll, über eine Ernährungsumstellung nachzudenken. Setzen Sie auf viele pflanzliche Lebensmittel, ergänzt durch ausgewählte tierische Produkte. Milchprodukte wie Joghurt, Käse oder Quark sollten in Ihrem Ernährungsplan vorkommen – achten Sie jedoch darauf, dass der Erdbeerjoghurt keine versteckte Zuckerbombe ist.
Fleisch sollten Sie nur in Maßen genießen, denn insbesondere rotes Fleisch (also Rind und Schwein) wird mit einem höheren Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht. Dafür können Sie Ihren Speiseplan zwei bis drei Mal wöchentlich um gesunden (nicht panierten) Fisch ergänzen. Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen oder Bohnen sind eine proteinreiche Alternative, die Ihnen helfen kann, öfter auf Fleisch zu verzichten. Wenn es um Kohlenhydrate wie Reis, Brot oder Nudeln geht, sollten Sie die Vollkornversion wählen, denn diese treibt den Blutzuckerspiegel nicht so sehr in die Höhe.

Kochen Sie selbst

Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Fette, denn diese enthalten mehr der gesünderen ungesättigten Fettsäuren. Meiden Sie verarbeitete Lebensmittel, also beispielsweise Wurst, Süßigkeiten, Fertigprodukte oder Fast Food, denn in diesen Lebensmitteln stecken oft wenig Nährstoffe, dafür aber umso mehr ungesunde Fette, Zucker und Salz, die nicht nur Auswirkungen auf das Körpergewicht, sondern auch auf den Cholesterin- und den Blutzuckerspiegel haben können.2 Laut der deutschen Herzstiftung sollten gesunde Menschen übrigens täglich nicht mehr als 300 Milligramm Cholesterin zu sich nehmen (ein Ei enthält etwa 250 bis 280 Milligramm Cholesterin).
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Menge von weniger als 5 Gramm Salz pro Tag für Erwachsene, um Bluthochdruck vorzubeugen. Diesen Wert überschreitet man teils schon mit einer einzigen Tiefkühlpizza. Kochen Sie daher lieber selbst und verwenden Sie eine große Bandbreite an Gewürzen anstelle größerer Mengen von Speisesalz, Maggi oder Sojasoße. So können Sie vielleicht auch ganz neue Gerichte für sich entdecken.

Trinken Sie mehr Wasser und weniger Alkohol

Einige Vitamine (wie Vitamin B123 und D4,5) können das Risiko für Schlaganfälle leicht senken, daher sollte Ihre Ernährung insgesamt ausgewogen und gesund sein. Im Alter kann es teilweise trotz gesunder Ernährung zu Vitaminmangel kommen, daher ist es sinnvoll, auch darüber mit Ihrem Arzt zu sprechen. Ihr Arzt kann dann Ihre Blutwerte kontrollieren und Ihnen Tipps geben, wie Sie Ihre Ernährung anpassen können oder ob Nahrungsergänzungsmittel in Ihrem Fall sinnvoll sind.
Achten Sie auch darauf, dass Sie genügend Wasser trinken (täglich etwa 1,5 bis 2 Liter) und konsumieren Sie keinen oder nur wenig Alkohol, da dieser ebenfalls den Blutdruck erhöhen kann.

Bleiben Sie in Bewegung

Regelmäßige Bewegung hält Ihre Blutgefäße und Sie gesund, also achten Sie darauf, aktiv zu bleiben. Es wird empfohlen, sich mindestens 30 Minuten pro Tag moderat zu bewegen. Sie müssen dabei aber keinen Leistungssport machen, um Schwung in Ihren Alltag zu bringen. Legen Sie kurze Strecken so oft wie möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Wählen Sie die Treppe anstelle des Fahrstuhls. Gehen Sie Wandern, Schwimmen oder versuchen Sie es mit Nordic Walking. Wer sich gerne zu Musik bewegt, den wird freuen, dass auch Tanzen als Sport zählt. Hauptsache Sie kommen ein wenig ins Schwitzen. Dazu passt auch das Motto des diesjährigen Weltschlaganfalltags am 29. Oktober: „Jeder Schritt zählt!“
Sollten Sie bisher allerdings gar keinen Sport getrieben haben oder gesundheitliche Einschränkungen (wie Gelenk- oder Herzprobleme) haben, lassen Sie sich zuerst von Ihrem Arzt untersuchen. Dieser kann Sie dahingehend beraten, welche Sportarten für Sie geeignet sind. Spazieren gehen sollte jedoch für die meisten Menschen keinerlei Problem darstellen, insbesondere, wenn Sie eine Strecke wählen, auf der Sie sich im Fall der Fälle kurz zum Beispiel auf einer Bank ausruhen können. Besonders wichtig ist es bei all diesen Dingen, dass Sie konsequent bleiben und neue, positive Gewohnheiten schaffen. Falls es Ihnen schwerfällt, am Ball zu bleiben, bitten Sie Freunde oder Familie, mit Ihnen zusammen aktiv zu sein.

Nehmen Sie regelmäßig Check-up-Untersuchungen wahr

Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck, Ihre Blutzuckerwerte und den Cholesterinspiegel überprüfen. Denn viele der Risikofaktoren – wie beispielsweise Bluthochdruck oder Vorhofflimmern – verursachen oft keine Beschwerden. Daher wird selten auf diese Erkrankungen untersucht, wodurch meist erst spät mit der Behandlung begonnen wird. Zur frühzeitigen Identifizierung dieser Risikofaktoren bieten sich Früherkennungsuntersuchungen an, die für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen ab dem 35. Lebensjahr kostenlos sind.
Sollten Ihre Werte erhöht sein, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie weiter vorgehen können. Besonders wichtig ist, dass Sie Ihre Blutwerte nicht nur einmal überprüfen lassen, sondern diese regelmäßig kontrollieren. Denn je nach Lebensumständen können sich die Werte verändern und die Therapie muss zum Beispiel intensiviert werden.

Autorin: Tanja Peschel, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: September 2019

Quellen:

1. GBD 2016 Neurology Collaborators. Global, regional, and national burden of neurological disorders, 1990-2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet Neurol. 2019 May;18(5):459-480. doi: 10.1016/S1474-4422(18)30499-X. Epub 2019 Mar 14.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30879893

2. Boehme AK, Esenwa C, Elkind MS. Stroke Risk Factors, Genetics, and Prevention. Circ Res. 2017 Feb 3;120(3):472-495. doi: 10.1161/CIRCRESAHA.116.308398.
www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCRESAHA.116.308398

3. Kennedy DO. B Vitamins and the Brain: Mechanisms, Dose and Efficacy—A Review. Nutrients. 2016; 8(2):68. doi: 10.3390/nu8020068.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29852980

4. Zhou R, Wang M, Huang H, Li W, Hu Y, Wu T. Lower Vitamin D Status Is Associated with an Increased Risk of Ischemic Stroke: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2018; 10(3):277.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4772032

5. Qiu H1, Wang M, Mi D, Zhao J, Tu W, Liu Q. Vitamin D Status and the Risk of Recurrent Stroke and Mortality in Ischemic Stroke Patients: Data from a 24-Month Follow-Up Study in China. J Nutr Health Aging. 2017;21(7):766-771. doi: 10.1007/s12603-016-0821-z.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28717806

9-GE-5-10414-02 10-2019