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Neurologen und Kardiologen empfehlen „Schirmchen“ im Herzen zum Schutz vor Schlaganfall

Der Verschluss eines offenen Foramen ovale (PFO) mit einem „Schirmchen“ (Okkluder) kann das Schlaganfall-Risiko nachweislich senken. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Okkluder-Implantation nicht allen Menschen mit PFO gleichermaßen nützt. Neurologen und Kardiologen haben deshalb im August 2018 gemeinsame Empfehlungen dazu herausgegeben, für wen ein interventioneller PFO-Verschluss sinnvoll ist.

Neurologen und Kardiologen empfehlen „Schirmchen“ im Herzen zum Schutz vor Schlaganfall

Wer profitiert von einem Okkluder?

Grundvoraussetzung für den interventionellen Verschluss eines offenen Foramen ovale (engl. patent foramen ovale, PFO) mit einem Okkluder ist, dass Sie zwischen 16 und 60 Jahre alt sind und es bei Ihnen in der Vergangenheit bereits mindestens einmal zu einem Schlaganfall gekommen ist. Okkluder werden also nicht dazu eingesetzt, um einen ersten Schlaganfall zu verhüten – Ärzte nennen dies Primärprävention – sondern, um das Risiko für einen zweiten Schlaganfall zu senken (Sekundärprävention).

Es gibt aber noch weitere Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Ärzte bei Ihnen einen PFO-Verschluss erwägen. Zwei Dinge spielen dabei eine Rolle:

  1. Die Art des Schlaganfalls: Nur wenn bei Ihnen nach sorgfältiger Untersuchung durch einen Neurologen und Kardiologen keine andere Ursache wie beispielsweise Arteriosklerose (umgangssprachlich als „Arterienverkalkung“ bezeichnet) oder Vorhofflimmern für den vorangegangenen Schlaganfall gefunden werden konnte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das PFO die Ursache war – und nur dann ist der Verschluss des PFO angezeigt. Außerdem muss der vorangegangene Schlaganfall durch ein verschlossenes Blutgefäß verursacht worden sein und nicht beispielsweise durch eine Hirnblutung. Ärzte können anhand bildgebender Verfahren wie einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns gut beurteilen, um welche Art von Schlaganfall es sich bei Ihnen gehandelt hat.

  2. Die Eigenschaften des PFO: Schätzungen zufolge hat jeder Vierte ein offenes Foramen ovale, doch wie viel Blut tatsächlich durch diesen „Kurzschluss“ fließt, ist individuell sehr unterschiedlich. Nur bei Menschen, bei denen dieser Kurzschluss eine kritische Größe erreicht, ist ein PFO-Verschluss empfehlenswert. Ihr Arzt kann das Ausmaß des Kurzschlusses mithilfe bildgebender Verfahren wie einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) bestimmen.

 

PFO-Verschluss mittels Schirmchen: Wie funktioniert das?

Der PFO-Verschluss mit einem Okkluder ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem der Arzt über einen kleinen Schnitt an der Leiste einen dünnen Schlauch (Katheter) bis zum Herzen führt. Über diesen Katheter kann dann der Okkluder in das PFO eingesetzt werden. Die beiden scheibenförmigen Hälften dieses Schirmchens verschließen das Foramen ovale; das Implantat verbleibt dafür dauerhaft im Körper.

Einige Videos zum Thema PFO-Verschluss finden Sie hier.

Wie geht es nach dem PFO-Verschluss weiter?

Nach der Implantation eines PFO-Okkluders dauert es eine Weile, bis das Schirmchen eingewachsen ist. Während dieser Zeit ist es wichtig, Medikamente zu nehmen, die der Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) an dem körperfremden Okkluder-Material vorbeugen, sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer. Diese verhindern, dass die Blutplättchen (Thrombozyten) verklumpen, daher bezeichnet man sie auch als Plättchenhemmer. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfehlen in der gemeinsam erarbeiteten Leitlinie zum PFO-Verschluss eine Behandlung mit täglich 100 mg Acetylsalicylsäure (ASS) plus 75 mg Clopidogrel für die ersten 1 bis 3 Monate nach dem PFO-Verschluss. Für die folgenden 12 bis 24 Monate empfehlen DGN, DSG und DGK, einen dieser beiden Wirkstoffe beizubehalten und den anderen abzusetzen. Falls Sie an Arteriosklerose leiden, ist eine lebenslange Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern notwendig.

Welche Risiken birgt ein interventioneller PFO-Verschluss?

Wie jeder Eingriff ist auch der PFO-Verschluss mit gewissen Risiken behaftet. Zu den möglichen Ereignissen, die während oder nach einer Okkluder-Implantation auftreten können, gehören beispielsweise Vorhofflimmern, Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel (sogenannte Perikardtamponaden) und die Verstopfung eines Blutgefäßes in der Lunge (Lungenembolien). Diese Ereignisse sind jedoch so selten, dass das Risiko im Vergleich zum zu erwartenden Nutzen kaum ins Gewicht fällt. Wenn Sie trotzdem Bedenken haben, wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt, er ist Ihr bester Ansprechpartner für alle Fragen rund um eine Implantation.

Welche Alternativen gibt es zum PFO-Verschluss?

Wenn Sie zwar alle Kriterien für einen PFO-Verschluss mittels Okkluder erfüllen, sich dem Eingriff aber nicht unterziehen wollen, empfiehlt die Leitlinie der DGN, DSG und DGK zur Vorbeugung vor weiteren Schlaganfällen eine medikamentöse Therapie mit Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel.

 

Autorin: Annukka Aho-Ritter, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: September 2018

Quellen:

Diener HC, Grau A, Baldus S et al. Kryptogener Schlaganfall und offenes Foramen ovale. S2e-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 21.08.2018)

Gemeinsame Pressemitteilung der DGN, DSG und DGK: Ende des Patts – Kardiologen und Neurologen empfehlen Schirmchen zum Schutz vor Schlaganfall. Veröffentlicht am 13.08.2018

9-GE-5-8940-02 01-2019