7 Fragen und Antworten zu Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung der Herzvorhöfe und eine sich allmählich verschlechternde Erkrankung.1 Es ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung der entwickelten Länder und betrifft jede vierte Person mittleren Alters.2 Was genau dahintersteckt und was Vorhofflimmern mit dem Schlaganfallrisiko zu tun hat, erfahren Sie hier.

Abbildung 1: Schematische Darstellung des Herzens
Abbildung 1: Schematische Darstellung des Herzens

Was ist Vorhofflimmern?

Das Herz besteht aus vier Hohlräumen: dem linken und dem rechten Vorhof (Atrium) und der linken und der rechten Herzkammer (Abb. 1). Wenn das Herz gesund ist, dann schlagen die Vorhöfe im gleichen Rhythmus wie die Kammern.3 Beim Vorhofflimmern feuern Zellen im rechten Vorhof unabhängig voneinander und unkoordiniert elektrische Signale ab und „stecken“ damit auch benachbarte Zellen an. So kommt es in verschiedenen Regionen im Vorhof dazu, dass einzelne Herzmuskelzellen sich unvollständig zusammenziehen (kontrahieren). Dadurch verweilt das Blut länger im Vorhof und die Gefahr der Bildung von Blutgerinnseln steigt.

Welche Arten von Vorhofflimmern gibt es?

Ärzte unterscheiden drei verschiedene Arten von Vorhofflimmern:

  • paroxysmales (anfallsartiges) Vorhofflimmern: Ohne ärztliche Behandlung findet das Herz meist binnen 48 Stunden – spätestens jedoch nach sieben Tagen – wieder in seinen Rhythmus zurück. Paroxysmales Vorhofflimmern tritt häufig nachts und in Ruhe auf.
  • persistierendes (anhaltendes) Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern hält länger als sieben Tage an, das Herz lässt sich nur noch durch Medikamente oder einen Stromstoß in seinen natürlichen Rhythmus zurückbringen.
  • permanentes (dauerhaftes) Vorhofflimmern: In diesem Stadium ist das Herz dauerhaft aus dem Takt. Es ist schwierig, das Herz wieder in seinen Rhythmus zu bringen bzw. diesen zu erhalten. Das heißt, dass weder durch Stromstöße noch durch Medikamente das Vorhofflimmern beendet werden kann.

Die Ursache für das Vorhofflimmern ist oft nicht klar. Es kann aber auch aus einer Grunderkrankung heraus entstehen, wie einer koronaren Herzkrankheit, einer Herzklappen- oder Herzmuskelerkrankung, Bluthochdruck (Hypertonie) oder Diabetes mellitus. In der Folge erhöht sich das Sterbe- und Schlaganfallrisiko sowie das Risiko, eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) zu entwickeln. Durch das nicht-effektive Pumpen des Herzens kann es zu Symptomen wie Herzstolpern, Herzklopfen sowie Schwindel, Herzjagen, Atemnot, Brustschmerzen (Angina pectoris), Schwitzen und Abgeschlagenheit kommen.1

7 Fragen und Antworten zu Vorhofflimmern

Was passiert bei Vorhofflimmern?

Der Herzschlagrhythmus wird von einer bestimmten Region im rechten Vorhof, dem Sinusknoten, vorgegeben. Wenn von hier das Signal kommt, ziehen sich die Vorhöfe und die Herzkammern koordiniert zusammen. Bei Patienten mit Vorhofflimmern ist diese Region während einer Vorhofflimmern-Episode inaktiv. Dafür geben verschiedene Muskelzellen im Vorhof willkürlich und unkoordiniert elektrische Signale von sich. Diese kommen verschieden schnell und intensiv und sorgen dafür, dass die Vorhöfe nicht vollständig kontrahieren können. Aufgrund dieser unregelmäßigen Signale fängt das Herz an zu zittern (flimmern). Da sich diese unregelmäßigen Signale wiederholen und die verschiedenen Regionen im Wechsel elektrisch erregt werden, sprechen Ärzte von kreisenden Erregungswellen.4 Die Atrien tragen etwa 20 % zur Pumpleistung des Herzens bei.4 Doch wenn diese sich durch die unkontrollierten Kontraktionen nicht vollständig in die darunterliegenden Herzkammern entleeren können, dann staut sich das Blut in den Vorhöfen.
Eine besondere Rolle hierbei spielt das sogenannte Vorhofohr im linken Vorhof. Im Vorhofohr kann das stehende Blut leicht verklumpen; diese Blutgerinnsel können dann über den Blutkreislauf in das Gehirn abwandern und einen Schlaganfall verursachen.3 Während der Flimmerattacke pumpen die Herzkammern das gelieferte Blut in unregelmäßigen Schlägen und bei weniger Leistung weiter in den Körper.3 Diese ineffektiven Schläge überlasten das Herz durch den hohen Energieverbrauch. Als Konsequenz kann sich so auf Dauer eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln.

Welche Ursachen gibt es für die Entstehung von Vorhofflimmern?

Die Ursache dafür, dass kreisende Erregungswellen entstehen können, liegt darin, dass die vom Sinusknoten ausgehenden Signale sich langsamer als normal im Vorhofgewebe ausbreiten oder blockiert werden. Dies kann die Folge von Narben oder Entzündungen sein, die das Gewebe strukturell verändern und so die Signalweiterleitung stören.1 Generell werden kardiale Grunderkrankungen, wie z. B. eine Herzschwäche oder Bluthochdruck als Risikofaktoren für die Entstehung von Vorhofflimmern angesehen. Es kann aber auch eine gut behandelbare Erkrankung zugrunde liegen, wie z. B. eine undichte Herzklappe oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Durch die entsprechende Behandlung der Grunderkrankung verschwindet dann oft auch das Vorhofflimmern.4

Was sind die Risiken?

Vor allem im Alter besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, ein Vorhofflimmern zu entwickeln. Etwa 2 % der gesamten Bevölkerung und etwa 7 % der über 65-Jährigen sind von Vorhofflimmern betroffen.4 Dabei erhöhen viele Herz-Kreislauferkrankungen das Risiko zusätzlich, an Vorhofflimmern zu erkranken. Dieses Risiko kann durch Faktoren wie übermäßigen Alkoholkonsum, Rauchen, Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes mellitus sowie nächtliche Atemaussetzer (Apnoe) negativ beeinflusst werden.2

Was sind die Folgen von Vorhofflimmern?

Die Symptome von Vorhofflimmern können variieren und Patienten unterschiedlich belasten. Auch wenn in den meisten Fällen keine akute Lebensgefahr besteht, bleibt es dennoch auf Dauer nicht aus, dass es zu Folgeerkrankungen, wie Schlaganfall oder Herzinsuffizienz, kommt.2
Zudem kann sich das Vorhofflimmern im Laufe der Zeit verschlimmern. Um ein Voranschreiten dieser Erkrankung zu verhindern ist es wichtig, frühzeitig die Symptome zu erkennen und einen Arzt zu konsultieren.

Welche Therapieoptionen gibt es?

Bei Vorhofflimmern gibt es verschiedene Therapiemethoden, die eingesetzt werden können, um das Herz wieder in seinen Takt zu bringen sowie das Schlaganfallrisiko zu minimieren und eine Herzschwäche zu vermeiden. Bei einer pulskontrollierenden Behandlung werden Medikamente eingesetzt, um die Herzfrequenz dauerhaft zu senken und das Herz zu entlasten – dabei wird aber nicht versucht, das Vorhofflimmern zu beseitigen. Dies kann mit einer sogenannten Kardioversion, gelingen. Bei dieser Methode wird versucht, entweder mit Stromstößen oder mit Hilfe von Medikamenten das Herz wieder in den normalen Rhythmus (Sinusrhythmus) zu bringen. Des Weiteren kann auch eine Katheterablation in Frage kommen, bei der die für das Vorhofflimmern verantwortlichen Regionen im Vorhof verödet werden. So können die verödeten Zellen keine unkontrollierten Impulse mehr feuern und das Herz aus dem Takt bringen.5
Da Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko erhöht, spielen auch sogenannte Blutverdünner (Antikoagulanzien) eine wichtige Rolle, um Blutgerinnsel zu vermeiden. Als weitere Therapieoption kommt in Betracht, das linke Vorhofohr mit einer Art kleinem Schirm zu verschließen und so zu verhindern, dass Blutgerinnsel in den Blutkreislauf gelangen und einen Schlaganfall auslösen.

Autorin: Anna Besson, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: September 2019

Quellen:

1. www.vorhofflimmern.de/content/wie-es-zu-einem-vorhofflimmern-kommt

2. leitlinien.dgk.org/files/2016_PLL_Vorhofflimmern_2Auflage_überarbeitet.pdf

3. www.vorhofflimmern.de/content/was-ist-vorhofflimmern

4. www.gesundheitsinformation.de/vorhofflimmern.2311.de.html

5. www.gesundheitsinformation.de/wie-laesst-sich-der-herzrhythmus-normalisieren.2311.de.html?part=behandlung-kp

Alle Seiten am 12.09.2019 zuletzt abgerufen

9-GE-5-10414-02 10-2019